FAQ

häufig gestellte Fragen zum Kfz-Gutachter

Wann brauche ich ein Gutachten und warum?

Für die Erforderlichkeit eines Gutachtens, ist die Bagatellgrenze von Bedeutung. Die Bagatellgrenze liegt in einem Bereich zwischen 750 EUR bis 1.000 EUR. Liegt die Schadenssumme darunter, so reicht in der Regel ein Kostenvoranschlag einer Fachwerk-statt. Da jedoch, die tatsächlichen Schäden meistens nicht erkennbar sind, weil in der Regel Kunststoffteile den Bereich verdecken und somit die Schadenhöhe, für einen Laien nicht erkennbar ist, wird schnell, leichtsinni-gerweise, von Bagatellschäden ausge-gangen und aus Angst, auf den anfallenden Kosten sitzen zu bleiben, auf eine Begutachtung durch einen Sachverständigen verzichtet. Ich rate trotz augenscheinlich kleiner Beschädi-gungen, einen unabhängigen Sach-verständigen zu Rate zu ziehen. Dieser kann erkennen, ob eventuell versteckte Schäden vorliegen, oder nicht. Liegt der Schaden, für den Sachverstän-digen, erkennbar unter der Bagatellgrenze, so ist ein vollständiges Gutachten nicht erforderlich. Aber auch in diesem Fall, kann Ihnen der Sachverständige helfen. Er erstellt Ihnen ein sogenanntes Kurzgutachten, welches, trotz eines Bagatellschadens, in der Regel, von der gegnerischen Versicherung, erstattet wird.

Ebenfalls ist es wichtig einen Sachverständigen zu Rate zu ziehen, wenn sich Altschäden im Schadens-bereich befinden. Die Schadenauswei-tung sollte unabhängig ermittelt werden. Die gegnerische Versicherung verweigert regelmäßig den Schaden-ersatz, mit der Begründung, dass "der bereits vorhandene Altschaden, den neu entstandenen Schaden, auffrißt" ( in der Juristensprache spricht man von der überholenden Kausalität). Das ist in vielen Fällen aber nicht der Fall, und Ihnen steht, trotz vorhandener Altschäden, eine Entschädigung zu.

Was ist ein Kurzgutachten?

Wenn die Bagatellgrenze (ca. 715 EUR) aufgrund eines geringen Schadens nicht erreicht wird, kann ich Ihnen ein Kurzgutachten erstellen. Das Kurzgutachten ist nicht so umfangreich wie ein Schadengutachten und deshalb weitaus günstiger. Die Versicherungen übernehmen in der Regel die Kosten für ein Kurzgutachten, da diese sich ungefähr am Preis eines Kostenvoranschlags orientieren.

Wie lange dauert die Gutachtenerstellung?

Der Aufwand für die Gutachtenerstel-lung richtet sich  nach dem Umfang des Schadens und ist immer individuell zu betrachten. In der Regel jedoch, ist das Gutachten in ca. 3 - 4 Tagen nach Auftragserteilung versandbereit. Im Falle eines Totalschadens, verzögert sich die Fertigstellung um ca. 2 - 3 Tage, aufgrund der erforderlichen Restwertermittlung.

Wie teuer ist ein Gutachten?

Im Haftpflichtschadenfall (wenn Sie am Unfall keine Schuld haben) wird das Gutachten in der Regel von der gegnerischen Versicherung bezahlt.

Ausnahmen:

Es liegt ein Quotenschaden vor (Teilschuld), das Gutachten wird nur bis zur Höhe der vorliegenden Quote be-zahlt. d.h. die Gutachterkosten werden zu 50 % bezahlt, wenn 50% Mitschuld vorliegt.

Wann darf ich einen Anwalt einschalten?

Ein Rechtsanwalt darf und sollte von Anfang an die Schadenregulierung begleiten. Denn der Gesetzgeber gibt Ihnen die Möglichkeit an die Hand. (Stichwort "Waffengleichheit") Die Kosten für den Rechtsanwalt muss der Verursacher, bzw. dessen Haftpflicht-versicherung tragen.

Das OLG Frankfurt a.M. sagt dazu im Urteil vom vom 02.12.2014 - 22 U 171/13 Absatz 37:

"Auch bei einfachen Verkehrsunfallsachen ist die Einschaltung eines Rechtsanwalts von vornherein als erforderlich anzusehen. Gerade die immer unüberschaubarere Entwicklung der Schadenspositionen und der Rechtsprechung zu den Mietwagenkosten, Stundenverrechnungssätzen u.ä. lässt es geradezu als fahrlässig erscheinen, einen Schaden ohne Einschaltung eines Rechtsanwalts abzuwickeln." (Quelle: https://openjur.de/u/757004.html)

 

Deshalb sollten Sie sich durch die gegnerische Versicherung nicht, eventuell, einschüchtern lassen, sondern gleich von vornherein Ihren Rechtsanwalt mit ins Boot holen. Die Kosten werden bei Nichtverschulden, von der Gegenseite getragen.

Darf die Gegenseite mein Fahrzeug nachbesichtigen?

Die Gegenseite hat kein grundsätzliches Recht, Ihr Fahrzeug nachzubesichtigen. Sie verweigert jedoch die Regulierung, wenn Sie einer Nachbesichtigung nicht zustimmen. Deswegen wird die Gegenseite in dieser Hinsicht, meistens, eine Nachbesichtigung erzwingen. Die Nachbesichtigung dient dem Zweck, Schadenspositionen durch einen eigens beauftragten Gutachter zu streichen und somit die Schadenssumme zu mindern. Wenn Sie der Nachbesichtigung zustimmen , haben Sie allerdings das Recht, Ihren eigenen Sachverständigen zu der Nachbesichtigung hinzu zu ziehen. Die Kosten für den Aufwand hat die Gegenseite zu tragen.

Muss ich mein beschädigtes Fahrzeug reparieren lassen?

Nein. Sie können entscheiden, in welcher Form der Schadenersatz geleistet werden soll. So haben Sie das Recht, sich den Schaden fiktiv auszahlen zu lassen. Dabei wird lediglich die Mehrwertsteuer einbehalten. Allerdings rate Ich dringend dazu, einen Rechtsanwalt einzuschalten, da Versicherungen bei der Fiktivabrechnung besonders gerne Kürzungen vornehmen.

Wo muss ich mein Fahrzeug reparieren lassen?

Im Haftpflichtschadenfall können Sie Ihr Fahrzeug, in der Werkstatt Ihres Vertrauens, reparieren lassen und müssen sich nicht in die günstige Partnerwerkstatt der Versicherung verweisen lassen. Die anfallenen Reparaturkosten müssen von der gegnerischen Versicherung übernom-men werden, auch wenn diese höher ausfallen, als die Kosten, welche die gegnerische Versicherung prognosti-ziert hat.

¹ Erfahrungsgemäß dauert die Gutachtenerstellung für Sonderfahrzeuge und Exoten, sowie für nicht alltägliche Fahrzeuge, z.B. Oldimer, Sonderumbauten und speziell angefertigte Fahrzeuge, in der Regel etwas länger.